Zweiter Beitrag

Montag, 30. Oktober 2006

Textzusammenfassung und Kommentar

Horstkemper, Gregor: Studieren mit dem Computer, in: Schmale, Wolfgang (Hg.): Schreib-GuideGeschichte, 2. Aufl., Wien 2006 (UTB), S. 205-229.

Textverarbeitung
Schon bei der Textverarbeitung werden die Vorteile des Arbeitens mit dem Computer deutlich: Durch die Gliederungsfunktion wird das Strukturieren des Textes einfacher; generell gestaltet sich das Verschieben und Erweitern von am Computer gespeicherten Exzerptdateien einfach. Auch das Verfassen erster Entwürfe von Seminararbeiten oder ähnlichem wird durch copy&paste vereinfacht. Allerdings: "Das Aneinanderreihen von Textbausteinen ergibt noch keine wissenschaftliche Abhandlung, unbedachtes Kopieren und Verschieben von zunächst unzusammenhängenden Informationen hinterlässt fürs Erste nur einen Haufen Wort- und Satzmüll (engl.:"copy&waste") (S. 209).
Trotzdem: Hilfsmittel wie die automatische Silbentrennung, die Rechtschreibprüfung, der Thesaurus oder die Möglichkeit der Verwaltung von Fuß- oder Endnoten erleichtert vor allem die Gliederung von Arbeiten. Zudem kann die moderne Software auch das kooperative Arbeiten vereinfachen: etwa in dem sie Möglichkeiten zur gegenseitigen Textkontrolle liefert.

Datenbankprogramme
Bei zunehmendem Anwachsen der gelesenen Literatur bietet es sich immer mehr an, auch eine Datenbank zur Verwaltung besagter Literatur zu verwenden. Als Beispiel für eine gute Literaturverwaltungs-Software wird etwa das Programm Citavi angegeben; durch dessen vorstrukturierte Eingabemaske wird nicht mehr mit beliebig gestaltbarem Freitext gearbeitet, sondern die Gesamtinformation schon bei der Eingabe in Informationspartikel ("AutorIn", "Titel" etc.) aufgeteilt – was natürlich auch eine gezielte Suche erleichtert, entsprechen bei einer Datenbank doch die einzelnen Datensätze etwa jeweils einer guten, alten Karteikarte. Diese Literaturverwaltungprogramme enthalten oft auch Felder, in denen längere Notizen (etwa Exzerpte) aufgenommen werden können; eine fast komplette Arbeitsumgebung ermöglicht auch das Weiterverarbeiten der zusammengetragenen Informationen, ohne in ein Textverarbeitungsprogramm wechseln zu müssen. Allerdings: Aufwand und Nutzen des Computereinsatzes sollten – je nach persönlicher Arbeitsgestaltung – in ein vernünftiges Verhältnis zueinander gebracht werden.

Internet als Publikations- und Kommunikationsmedium
Das World Wide Web ist sukzessive zum Synonym für das Internet schlechthin geworden, was wahrscheinlich am umfassenden Multimedia-Angebot liegt, welches es liefern kann: hier wird die Zusammenführung von Schrift-, Grafik-, Ton- oder auch Filmelementen gemeint.
Das Web wird vor allem auch als Bereitstellungsort für digitale Veröffentlichungen genutzt, wobei hier auch die qualitätsvollen E-Ressourcen, die durch ihre Zugänglichkeit, ihre Multimedialität, ihre Hypertextualität, ihre Durchsuchbarkeit etc. bestechen, immer mehr zunehmen.
Durch die so genannte "soziale Software" wie etwa Weblogs, Wikis etc. verschmelzen der Publikations- und Kommunikationsaspekt des Internets, was eine zunehmende "Vernetzung und Dynamisierung des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses" (S. 218) zur Folge haben könnte.
Bei der Suche nach qualitätsgeprüften Internet-Ressourcen können "Virtuelle Fachbibliotheken" helfen; hier werden Online-Materialien nach wissenschaftlichen Maßstäben kategorisiert (z.B. "Clio-online").
Weiters stellt der Text die Konzepte von "E-Learning" und Online-Tutorien vor; letztere sollen dabei vor allem auch die Informationskompetenz der Studierenden verbessern. Auch werden einige Tipps zu Nachschlagewerken im Web gegeben, wobei festzuhalten ist, dass es sich bei den meisten im Internet zugänglichen eher nur um Parallelversionen zu gedruckten Veröffentlichungen handelt. Der Streitpunkt Wikipedia wird in einem anderen Kapitel behandelt. Ebenfalls werden wissenschaftliche Publikationen wie etwa die Diskussionsliste H-Soz-u-Kult und einige nur online publizierte Zeitungen vorgestellt; auch digitalisierten Quellen im Internet werden angeschnitten, wobei vor allem diese interessant sind, die die ursprünglichen Buchseiten mit durchsuchbaren Volltexten kombinieren. Websiten von Archiven und Museen können auch spannend sein, da oft ausgewählte Objekte im Rahmen von digitalen Editionen bzw. virtuellen Ausstellungen im Web vorgestellt werden.
Der Autor geht schließlich auch auf die Unterscheidung zwischen "Visible Web" und dem lizenzpflichtigen Bereich des Internet ein; das ist der Teil, wo z.B. E-Journals oder E-Books publiziert werden. Hierbei spielt die Dokumentenform PDF ("Portable Document Format") eine wichtige Rolle. Auch erwähnt wird das im Web vorhandene Potential für die Fachkommunikation unter WissenschafterInnen; hier tun sich allerdings einige Probleme auf: Ist etwa die per Mail erfolgte Antwort einer Historikerin auf eine Fachfrage zitierfähig?
Der Text wird durch die Ankündigung der Herannahens von "Web 2.0" abgerundet.

Kommentar
Horstkempers Text präsentiert sich informativ und verständlich und auf für AnfängerInnen lesbar und teilweise sogar vielleicht spannend. Was besonders positiv auffällt ist die gute Gliederung, die auch einen Vorteil von geglückten linearen Texten ins rechte Licht rückt. Trotzdem sehe ich trotz des überaus informativen Charakters des Textes einige Kritikpunkte. Es ist mir durchaus bewusst, dass der Autor diejenigen Quellen, Portale, Sites etc. die er als Referenz vorstellt, in dem Wissen um die Unmöglichkeit der Vollständigkeit angibt; allerdings stellt sich mir hierbei die Frage nach den Auswahlkriterien, nach denen vorgegangen wurde. Vielleicht ist die Kritik hier ein wenig zu hart formuliert worden, für bis dato Total-Internet-VerweigererInnen sind die Tipps sicher außerordentlich wichtig.
Der Sinn des letzten Kapital des Textes blieb mir bis jetzt allerdings noch verschlossen; die zwei lustlos zusammengestellten Zitate sind zwar durchaus interessant, leider allerdings kein besonders gelungener Abschluss des ansonsten durchaus lesbaren Textes. Und nur weil es sich um einen Aufsatz über eine eher trockene Materie handelt heißt das ja nicht unbedingt, dass gewisse literarisch-ästhetischen Grundsätze der Textgestaltung außen vor gelassen werden müssen. Eine Frage auf die der Autor gar nicht eingeht ist dabei die Frage nach den UserInnen des Internets: Ist das Internet tatsächlich ein allen frei zugängliches Medium? Oder stellt es nicht unter Umständen sogar eher eine weitere "Zugangsbeschränkung" beim wissenschaftlichen Arbeiten dar? Man muss hierbei eigentlich nur an materielle Ressourcen denken, die für den Erwerb eines Internetzugangs notwendig sind, denken (trotz der im Text erwähnten Option auf der Universität das Web zu nutzen). Es wäre auf jeden Fall interessant, diese Frage weiter zu diskutieren; aller Wahrscheinlichkeit nach hätte es aber auch der informativen Intention des Aufsatzes widersprochen, dies zu tun.

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